GPSMap 64st

Es war schon Zeit. Mein geliebter GPSMap 62st hat sich im letzten Jahr immer mehr aufgelöst. Alle Versuche die sich lösende und zerfallende Gummi-Ummantelung mit Isolier- und Gewebeband halbwegs an seinem Platz zu halten werden bei den aktuellen Temperaturen futile. Außerdem wurden mit der zurückgewonnen Mobilität die technischen Einschränkungen auf einmal unerträglich. 

Womit ich das Gerät ersetzen würde war von vornherein klar. Ich stehe auf Tasten. Touchscreens sind zwar toll, aber auch eine potentielle Fehlerquelle. Ich hatte schon den GPSMap 60csx und davor ein Gerät aus der GPSMap 4x Serie. Ich mag es einfach, daß ich diese Geräte alle ohne hinzusehen, mit Handschuhen bedienen konnte.

Also bestellte ich vorige Woche endlich den längst überfälligen GPSMap 64st. Im Grunde hätte es auch einer von den kleineren sein können, aber 8GB Hauptspeicher waren mir die Preisdifferenz wert.

Heute, Montag dem 5. Februar 2018 war das Ding in der Post. Zusammen mit dem Garmin-Akkupack, einem Karabiner-Rückteil und der Platte mit dem Knubbel samt zugehörigen Gürtel-Clip. Das Karabiner-Rückteil hätte ich mir sparen können, den ein zweites fand sich in der Schachtel. Das Garmin-Akkupack besteht aus 2 NiMH-Akkus und die mit einem Plastikteil in Position gehalten, und von einem hoffentlich lang haltenden Klebeband zusammen gehalten werden. Durch dieses Plastikteil zwischen den Zellen drückt das Akkupack im Batteriefach auf einen Schalter, der es dem Gerät erlaubt die Akkus via USB zu laden. Andererseits verhindert diese Konstruktion es die Akkus in einem normalen Ladegerät zu laden.

Dieses Tiel nochmals zu bestellen hätte ich mir sparen können, aber andererseits diese Karabiner - ohne Garmin Aufdruck - kosten normalerweise alleine schon mehr als die Kombination mit der Rückplatte. Und ich mag diese Karabiner. Der mitgelieferte Karabiner-Clip


Der Anschluß am Gerät ist leider immer noch ein Mini-USB. In Zeiten in denen alles andere entweder Micro-USB oder USB-C hat bedauerlich, aber entsprechende Kabel habe ich eh noch vom 62er in meinem Leben verteilt.

Akkupack rein, einschalten. Ich war guter Hoffnung und wurde nicht enttäuscht. Die Akkus waren immer noch zu ca. 80% voll und ich konnte mal sehen ob mir was Neues auffällt. Da ich in der Cafeteria meiner Dienststelle saß erwartete ich nicht, daß das Gerät genug Satelliten-Signal bekommen würde um zu wissen wo es ist, aber die Geschwindigkeit mit der die Karte am Display überraschte mich doch. Nach kaum 15 Sekunden blinkte ein Fragezeichen auf dem Garmin-HQ.

Im Grunde hat sich im Vergleich zum GPSMap 62st nicht viel geändert.
  • GGZ Format für Geocaches
  • Bluetooth
  • (Garmin-)Akkus im Gerät laden.
Wie schon beim Vorgänger gibt es mehrere Profile und nachdem ich das Ding von Füßen auf Meter und einige andere Dinge eingestellt wechselte ich ins Geocaching-Profil und bewegte den Cursur auf der Karte nach Wien. 

Ok - bei den 250000 mitgelieferten Caches sind eine Menge Leichen dabei. Mal sehen was passiert, wenn ich jetzt einen anpeile...

Route Calculation Error!

Gut, das Gerät glaubt ja immer noch in USA zu sein und auch wenn er IPX7 wasserdicht ist, schwimmen kann er nicht.
Ok - visiere ich halt einen Cache in USA an. Cursor mit QUIT zurück nach Amerika, Liste der Caches und den ersten mit Enter ausgewählt.

Route Calculation Error!

Komisch, warum zeigt meine Kompassnadel nicht in Richtung des Caches und wo bleibt die rosa Linie?

Die mitgelieferten Karten sind nicht Routingfähig. Ich hatte aber bei der Konfiguration eingestellt, daß ich in der Regel "Pedestrian Walking", also zu Fuß gehen als Standard Routing haben will. Und sobald man einen Cache auswählt/anvisiert, versucht der GPSMap 64st dieses Routing anzuwenden. Kann er aber mit den mitgelieferten Karten nicht, weil die entsprechenden Informationen nicht enthalten sind.

Sobald man den Standard auf "direct Routing" umstellt, funktioniert wieder alles wie gewohnt.

Gut, Bluetooth!

Das reine Bluetooth Pairing funktioniert auf Anhieb.

Aber sonst nix. Nach der Installation von Garmin-Connect, Garmin-Link und einer halben Stunde herumprobieren mußte ich leider abbrechen und anfangen zu arbeiten.

Nebenbei bemerkt sind die Beschreibungen der 10+ Garmin-Apps im Android-Play-Store mehr als armselig. Weder steht dort was sie eigentlich tun sollen, noch mit welchen Geräten genau. Es ist dort immer nur von "kompatiblen Geräten" die Rede und umgekehrt steht im Handbuch des GPSMap 62st nicht welche Garmin-App man eigentlich braucht.

Ein wenig enttäuscht verließ ich die Cafeteria und ging in Richtung zu meinem Arbeitsplatz ein wenig ins Freie. Das habe ich jetzt deshalb Kursiv gesetzt, weil man sich einen 2,5m breiten, glasüberdachten Gang,  zwischen einem 4-stöckigen Bürohaus und einer halb so hohen Lagerhalle vorstellen muß. Und das Teil bekam einen GPS-Fix! Das hat meine Frustration natürlich sofort weggeblasen.

Nach 15 Minuten hatte ich genug Luft um meinen neuen Liebling am Laptop anzuschließen und zuerst einmal das komplette Garmin-Verzeichnis vom Gerät zu sichern. Als nächstes löschte ich die preload.ggz samt den Zusatzdateien um die mitgelieferten 250000 Leichen loszuwerden.

GSAK selbst kennt nur den 64 und den 64s, aber keinen GPSMap 64st, egal - das Garmin-Export Macro erkennt ihn richtig. Von GPX auf GGZ umgestellt, Limit auf 99999 gestellt und rein mit ganz Wien, Niederösterreich und Burgenland. Es dauerte ein wenig. Das Macro baut nicht nur die GGZ Datei sondern erzeugt auch noch einen Schwung POI-Dateien, die zum einen die Overlay-Grafiken für gelöste Mysteries oder Caches mit TBs über die Cachesymbole legen sondern ermoglichen auch den Annäherungs-Alarm.

Aber das mit auf "direct routing" umstellen vorhin ist mir nicht gleich eingefallen. Vielleicht ein Bug?

Das Gerät wurde mir mit Software Version 4.7 geliefert. Gut mal sehen wovon Garmin denkt das es gerade aktuell wäre... Gar nicht so leicht zu finden diese Information. Es hilft alles nix, man muß für die Dauer der Prozedur sein Windows so umstellen, daß der alte Internet-Explorer, nicht Edge (der Neue), der Standard Browser wird. Sonst gehen nämlich die als Browser-Extensions bereitgestellten Tools nicht. Zumindest nicht im Firefox oder Chrome.

Gut, irgendwann lief der Garmin-Connector im IE und die Website meinte 5.0 wäre gerade aktuell und der Connector spielte sie auch gleich auf das Gerät.

Einmal durchstarten - passt.

Aber die Zielführung ging noch immer nicht und dann hatte ich die Idee mit dem "direct routing" und die intellektuelle Niederkunft, das die mitgelieferte Karte nicht routingfähig ist.

Aber zuvor mußte ich das mit dem Cache-Limit ausprobieren.

Ich muß es nochmals genau abstoppen, aber nach gefühlten 10 Minuten waren 7000 Dosen im Garmin. Cool!

Als nächstes zupfte ich die Micro-SD Karte mit den Openstreetmap-Karten aus meinem guten, alten GPSMap 62st und legte sie ein. Durchstarten und... Nix! Also nicht Garnix, aber keine Veränderung. Immer noch die World-Recreational-Bla Karte. Aber Routing! Also irgendwie erkennt er sie und nutzt sie auch, aber zeigt sie nicht her.

Der Grund ist, daß das Gerät alle für das Gerät passenden Karten übereinander legt, aber bildlich gesagt nur die mit der höchsten Priorität zu oberst liegt - und damit alle anderen Karten überdeckt. Karteneinstellungen, World-Receation-Bla deaktiviert und... Trara! OSM ist in der Anzeige.

Garmin-Karten-Voodoo überlistet. Russisch, aber funzt fürs Erste.

Irgendwann habe ich es dann doch noch geschafft, die Garmin-Connect App mit dem GPSMap 64st zu verbinden. Aber das ist letztendlich nur so eine Hipster Fitness App, die noch dazu nur mit Meilen anstelle von richtigen Maßen arbeitet. Wie immer... 

Würde Garmin die gesamte Marketing Abteilung feuern, kämen endlich vernünftige Produkte auf den Markt.

Hurra, 3:00 Früh - Bett.

9:50, Ihr werdet nie erraten was ich machte während der erste Häfn Tee zog. Ich habe die Garmin Link App ausprobiert! 

Mit dem gleichen Resultat. Bluetooth Verbindung steht, aber die App erkennt den GPSMap 64st nicht für würdig.

Fazit für den ersten Tag: Gerät super! Apps Scheiße.

Die einzige Möglichkeit die ich im Augenblick sehe ist am Handy ein Pocket-Query zu erstellen, es laufen zu lassen, aufs Handy zu laden und dann mittels OTG Kabel auf den Garmin zu kopieren. Also eh wie gehabt, mit allen Nachteilen und Voraussetzungen wie korrigierte Koordinaten auf der Geocaching-Seite usw..

Das wäre mir auch zu mühsam. Andererseits habe ich ganz Österreich in meiner GSAK-Datenbank. Die wird durch (derzeit) ca. 50 Pocketqueries aktuell gehalten, d.h. die enthaltenen Informationen sind maximal eine Woche alt und sie enthält ca. 40000 suchbare Caches. Durch ein Vorauswahl-Macro konnte ich bisher einen oder mehrere Punkte (Caches, Locations) bestimmen von wo aus ich cachen wollte und mir dann die 1500 Dosen auswählen, die ich mit der aktuell mitgeführten Ausrüstung machen könnte. Also Leiter, Kletterzeug, Wathose usw.. Bei diesen 1500 wurde dann sicherheitshalber noch ein Status-Check gemacht, falls einer in den letzten Tagen deaktiviert oder archiviert wurde. Für diesen Punkt muß ich mir jetzt noch was überlegen, denn für ganz Österreich lässt mich Groundspeak keinen Status-Check machen.

Lacht's nicht, vor 2 Wochen war ich Kufstein, dann in St.Anton und einen Tag später auf einmal in Güssing. Man nie wo es einen hinweht, wenn man sich mal treiben lässt.

Die Probe aufs Exempel: ALLES wofür ich kein Boot (hab ich nicht) brauche, außer ungelösten Mysteries (soferne es sich um kein Fieldpuzzle handelt) und Multis die ich nicht zuvor schon als "Kurzmulti" gekennzeichnet habe. 28494 Caches. 

Das Macro läuft jetzt schon eine halbe Stunde und es ist wie immer. Eine Optimierungsidee jagt die andere. Die Spannung lässt es nicht zu, daß man wirklich was anderes macht und wenn jetzt jemand an der Tür läutet schwebt er wirklich in Lebensgefahr...

68 Minuten und 47 Sekunden.

Auf dem Garmin liegen jetzt knapp 12 MB POI Daten mit allen Wegpunkten, wie Parkplatz, Referenzpunkte, physical Stages usw., sowie eine 156MB große GGZ Datei mit den letzten 30 Logs und meinen Notizen aus GSAK als ersten Logeintrag.

Gut, abstecken und starten.

Das Gerät bereitet jetzt diese neuen Dateien für seine interne Datenbank auf....

1 Minute 31 Sekunden.

Alles da und das ist um einiges schneller als mein alter 62er.

Mal sehen ob wirklich alles da ist. Lauf GSAK ist der entfernteste Cache in der Datenbank 516km weit weg. Spell Search kann ihn aber in der Liste nicht finden.

Also scrolle ich einmal zum Ende der Liste und stelle fest, daß immer nur die 1000 nächstgelegenen angezeigt werden. Gut das reicht für den normalen Betrieb, Außer natürlich, man will sich von Wien zur Dose in Bludenz navigieren lassen. Ein Versuch mit der 28km entfernten, tausendsten Dose in der Liste klappt auf Anhieb. Aber was ist mit Bludenz?

Auf der Karte wähle ich das "Hexahüsle reloaded" an der Grenze zur Schweiz aus. Die Routenberechnung bricht bei 8% ab. Gut, daß kann auch am Kartenmaterial liegen und für die Berechnung solcher Routen ist der GPSMap auch nicht gedacht. Auch ein zweiter Versuch mit einer anderen Dose, die direkt an einer Bundesstraße liegt schlug fehl. Salzburg, Linz, kein Erfolg - die Berechnung bricht jedesmal mit einer Fehlermeldung ab. Die Gegend St.Pölten/Krems klappt dann. Sieht so aus als ob Garmin da was gedreht hätte, damit die Auto-Navigationsgeräte auch noch gekauft werden.

Ich weiß, daß ist eine bösartige Unterstellung, aber Marketing-Fuzzis traue ich einfach alles zu. Und solange mir Garmin nicht das Gegenteil beweist, bleibe ich dabei. Der BRouter in Verbindung mit Locus kann das nämlich mit dem gleichen Kartenmaterial ohne Probleme. Und der ist Gratis.


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SaschaVIE Austrian-Geocacher,
06.02.2018, 02:39
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