T5 Klettercaching

Vorab - ich hab' auch keine Ahnung, bin mir aber ziemlich sicher, daß das folgende nicht falsch ist. Falls doch - bitte ich um Korrektur.
 
Irgendwanneinmal stolpert jeder Geocacher dann einmal über eine Dose die augenscheinlich unerreichbar irgenwo oben hängt. Ganz oben - oder unten - oder draußen.
 
Wer keinen Quatrokopter mit Greifarm oder dressierten Affen zur Hand oder zumindest dessen Gene mitbekommen hat, fängt natürlich an zu überlegen wie er diese Ausgeburt der Ownerbosheit jetzt bergen soll.
 
Manchmal geht es ja noch mit einem Greifer, einer (Räuber-)leiter oder der Kombination aus beidem. Aber irgendwann ist auch dieses Latein zu kurz. Und dann ist guter Rat teuer.
 
Denn egal ob es sich das Versteck auf einen Baum oder in einer Felswand befindet ohne Knowhow, Seil, Gurt und ein wenig Technik wird es nicht gehen.
 
Die Hardware - also Seil, Gurt und Klettergerät - lassen sich ja noch relativ leicht im einschlägigen Fachhandel oder über das Internet beschaffen, aber wie kommt man jetzt zur Software, also dem Know-How?
 
Wer jetzt die nächste Kletterhalle seines Vertrauens stürmt wird dort schnell und ziemlich bitter enttäuscht. Außer natürlich es geht einem viel mehr darum die Wände hochzugehen als zu einfach nur zur Dose zu gelangen. Das Interesse der gemeinen Kletterhallenklientel besteht nicht in erster Linie darin am Seil zu klettern sondern an der Wand. Die ganze Technik betrachten diese Möchtegern-Geckos nämlich nur als Sicherung für den Fall, daß sie fallen. Hätte das keine schmerzhaften und unter Umständen sogar letale Implikationen würden sie den ganzen Krempel am liebsten unten liegen lassen und sich überhaupt nicht dafür interessieren. Die meißten Leute die dort herumrennen verstehen überhaupt nicht was wir wollen und bevor sie einem dort erzählen wie man denn einfach an einem Seil alleine hochkommt jagen sie einen ersteinmal durch 5 Kurse und 2x den Mt.Everest rauf und wieder runter. Kopfüber natürlich. 
 
Das Know-How das der Geocacher sucht ist dort nicht - oder zumindest sehr lange nicht - zu finden.
 
Das für uns richtige Wissen bekommt man bei:
  • Industriekletterern (Dachdecker, Fensterputzer, Gerüstbauer).
  • Baumpflegern.
  • Anderen Geocachern die das schon können.
Für die ersten beiden gibt es sogar Kursangebote, die aber ganz und gar nicht billig sind. Und die dort verwendete Ausrüstüng sprengt dann jedes Budget. Außerdem gehen die Veranstalter davon aus, daß jemand von seinem Dienstgeber dorthin geschickt wurde und bieten die Kurse natürlich unter der Woche und während der normalen Arbeitszeiten an. Dafür lernt man dort auch noch gleich den Umgang mit Flaschenzügen, Winden, Motorsägen und Gehörschutz.
 
Bleiben also die Anderen.
 
Am Anfang ist es sicher eine gute Idee einfach mitzugehen. Zu sehen wer sich wirklich gut auskennt und demjenigen auf die Finger zu sehen. Vielleicht kann man sich ja an den Vorarbeiten - z.B. bei einem Mysterie - beteiligen oder sonst irgendwie zur Hand gehen. Irgendwann einmal darf man sich dann sicher auch einmal einen Gurt ausborgen und selber die vertikale Annäherung versuchen.
 
In der Folge lernt man welche Techniken und Geräte verwendet werden und kann sie vielleicht einmal selber ausprobieren bevor man Geld in die Hand nimmt. Man lernt, daß man nicht jedes Gerät an jedem Seil verwenden kann und das Seil nicht gleich Seil ist.
 
Ja, ich habe auch die 500-1000 Youtube Videos gesehen. Viele davon mehrmals. Aber nichts kann den Kollegen ersetzen, der einem sagt was man im Video übersehen hat.
 
Was man auf keinen Fall machen sollte:
  • Alleine rausgehen und sich aufhängen.
  • Sparen - Ich kann mir auch vorstellen, daß man mit einen Swiss-Seat, zwei Prusik-Schlingen aus Reepschnur und einem Karabiner auskommen kann, aber nur wenn man es schon lange und gut kann.
  • Sich zwingen. Es ist OK und keine Schande, wenn man Angst hat und abbricht.
Wer jetzt immer noch auf eigene Faust losziehen will...
  • Ein Klettergut mit den breitesten Beinschlaufen die man sich leisten kann.

    Da wir am Ziel und beim abseilen im Gurt sitzen, möchte man sich vom Gurt die Beine nicht abschneiden lassen.
  • Ein Abseilachter und ein HMS-Schraubkarabiner.

    Damit kommen wir wieder runter. "HMS" steht übrigens für "Halbmaststich" bzw. Halbmastwurf, das ist der Knoten mit dem man ein Seil durch diesen Karabiner führt wenn man jemanden sichert.
  • Ein statisches Seil und Reepschnur.

    Im Gegensatz zu den dynamischen Seilen, die beim Sportklettern zur Sicherung verwendet werden gibt ein statisches Seil (idealerweise) nicht oder kaum nach. Dynamische Seile sind elastischer weil sie den Fall des Kletters auffangen sollen ohne ihm dabei das Kreuz abzureissen. Wir haben aber gar nicht vor in ein Seil zu fallen, wir wollen vom Anfang an daran hängen, also brauchen wir auch keinen Dämpfer der uns beim Aufstieg zum Jojo macht.

    Bei der Wahl von Reepschnur und Seil ist wichtig, daß sich die Reepschnur am Seil gut festbeißen kann, aber immer noch mit vernünftigem Aufwand schieben lässt. Es ist sicher eine gute Idee die Kombination nicht nur im trockenem sondern auch im nassem Zustand zu testen.

    Vorsicht ist bei Seilen aus dem Baumarkt geboten. Viele sind zu glatt, so daß Knoten und Achter nicht genug Reibung bekommen um einen zu halten oder zu bremsen, oder sie werden durch die Reibung zu heiß.
  • Handschuhe

Das wäre das absolute Minimum an Ausrüstung, daß man sich leisten sollte.

Wenn die Portokasse mehr hergibt sollte man sich die verschiedenen Techniken angesehen und am Besten auch ausprobiert haben bevor man anfängt sie - also die Portokasse - leerzuräumen.
 
Beim technischen Klettern gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze:
  • SRT - Single Rope Technique - Einseiltechnik

    Man bindet ein Ende des Seils fest, wirft es über einen Ast und klettert am herunterhängenden Ende rauf.

    Dazu gehören auch die Techniken, bei denen an einem Doppelseil geklettert wird. Die beiden Seile bewegen sich nicht gegeneinander sondern werden wie ein Seil benutzt.
  • DRT - Double Rope Technique - Zweiseiltechnik

    Man wirft ein Ende des Seils über einen Ast und klettert an beiden herunterhängenden Enden rauf. Aber anstatt die beiden Enden gemeinsam wie ein (Doppel-)Seil zu verwenden, benutzt man sie als eine Art einfachen Flaschenzug. Der Vorteil ist, daß man weniger Kraft braucht oder mehr Zeug mitnehmen kann. Der Nachteil, daß man doppelt so viel strampeln muß.

    Da dabei aber sowohl die Rinde des Astes wie auch das Seil selbst besonderer Belastung ausgesetzt werden, werden sogenannte Rindenschoner, Cambriumsaver oder Frictionsaver eingesetzt. Das macht den Seilein- und ausbau ein wenig aufwendiger.

    Da wir selten mehr als uns selbst, einen Kugelschreiber und vielleicht einen Travelbug raufbringen wollen, zahlt sich der Mehraufwand aber kaum aus.
Der Aufstieg
 
Wir alle wurden in unserer Schulzeit an diesen dicken, nach dem Schweiß früherer Jahrgänge müffelnden Hanfseilen hochgejagt. Die moderne Variante dieser Art an einem Seil raufzuklettern nennt sich Fastrope und gehört eigentlich gar nicht hier her, da man völlig ungesichert klettert und dann da oben - weil man kaum auslassen will - keine Hand zum schreiben frei hat. Außerdem ist so ein Fastrope im Vergleich zur Länge sehr schwer und teuer.
 
Beim technischen Klettern ist man in der Regel immer mittels Gurt und einem Verbindungsmittel so mit dem Seil verbunden, daß man jederzeit eine Pause einlegen und sich einfach einmal hängen lassen kann. Als Verbindungsmittel können Reepschnüre mit Klemmknoten, mechanische Seilklemmen oder Kombinationen aus beidem dienen.
 
Mit dieser Verbindung wäre es zwar schon möglich sich mit einem Klimmzug am Seil hochzuziehen, mit einer Hand festzuhalten und das Verbindungsmittel nachzuführen, aber es wäre auch außerordentlich anstrengend.
 
Also nimmt man die Beine zu Hilfe und befleissigt sich der sogenannten Foot-Locking-Technique. Dabei wird das Seil bei jedem Schritt so um die Füße geschlungen, daß man am Seil aufstehen kann. Im Aufstehen wird das Verbindungsmittel für den Gurt einfach nachgeschoben. Das erfordert einiges an Übung und ist immer noch recht anstrengend.
 
Etwas leichter geht es schon mit einer Fußschlaufe und einem weiteren Klemmknoten oder einer Handseillemme. Man steht einfach mit einem Fuß in der Schlaufe auf und führt das Verbindungsmittel des Gurts nach. Dann verlegt man die Last auf den Gurt und schiebt das Verbindungsmittel der Fußschlaufe weiter. Es dauert einige Zeit bis die Gliedmasen den Bewegungsablauf kapieren, aber wenn das klappt dann geht es schon recht gut. Das nennt man dann Texas-Kick.
 
Allerdings muß ein Bein nicht nur den ganzen Aufstieg alleine bewältigen, sondern auch noch das zweite, faule mitschleppen. Um dem Abzuhelfen kann man entweder eine zweite Schlaufe für das zweite Bein anbringen. Das nennt man dann Frogger, oder dem zweiten Bein seine eigene Steighilfe verpassen. Das ist dann ein Ropewalker.
 
Alle Knoten, Klemmen und Verbindungsmittel samt ihrer Verwendung zu beschreiben würde den Rahmen des Artikels sprengen. Aber wer sich die Sachen schon vor der Einweisung durch einen erfahrenen Kollegen ansehen will, wird mit den genannten Bezeichnungen sicher auf Youtube fündig werden.

 
Der Abstieg
 
Wenn man nur an Knoten - also ohne Klemmen - raufgekommen ist, kann man damit auch wieder runter. Bei den Klemmen ist das etwas schwieriger - bis unmöglich - weil sie in der Regel kleine Zähnchen haben, die sich im Seilmantel festbeißen. Diese Klemmen lassen sich am Seil nur in eine Richtung schieben, in die andere wollen sie einfach nicht. Wir wollen das auch nicht, aber runter müssen wir trotzdem irgendwann wieder.
 
Springen ist keine Option.
 
Aber ein Abseilachter ist ein altbewährtes Mittel einen Geocacher sicher auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen und gehört zusammen mit einem HMS-Karabiner an jeden Klettergurt.
 
Es gibt noch einige andere, ausgefuchstere Geräte. Aber auch hier möchte ich den wissenden Kollegen nicht vorgreifen.
 
Die unter Geocachern am meisten verbreitete Variante

Die Ausrüstung besteht im wesentlichen aus folgenden Teilen:
  • Wünschenswerterweise - ein Helm
  • Petzl GriGri²
  • Linke Handsteigklemme z.B. Petzl Ascension
    Links und Rechts hat in diesem Fall nichts damit zu tun ob man selber Links- oder Rechtshänder ist. Es ergibt sich aus der verwendeten Technik.
  • Eine Umlenkrolle z.B. die Edelrid Turn in Verbindung mit einem Oval-Karabiner, oder ein Rollenkarabiner wie der DMM Revolver.
  • Ein weiterer Oval-Karabiner um das GriGri² mit dem Gurt zu verbinden. Gegebenenfalls kann dies auch mit einem Petzl Freino gemacht werden.
  • Eine Fußschlaufe und ein Karabiner oder Schraubglied um sie an der Handsteigklemme zu befestigen.
  • Und natürlich ein Klettergurt.
In der Regel haben die Kollegen dann noch einige zusätzliche Karabiner, Bandschlingen, Expressschlingen und noch mehr mit. Da hat jeder seine eigenen Vorstellungen und Ansichten. 

Das Ganze funktioniert dann folgendermaßen:

Das Seil läuft einmal durch die Handsteigklemme und darunter durch das GriGri². Vom GriGri² wird es wieder nach oben geführt und durch die mittels Karabiner an der Handsteigklemme befestigte Umlenkrolle gezogen. Das GriGri² wird erst nachdem das Seil in alle Teile eingelegt ist ebenfalls mittels Karabiners am Klettergurt befestigt. Die Fußschlaufe wird an der Handsteigklemme montiert. 

Ist alles richtig eingelegt kann man sich schon einmal in den Gurt setzen und ein Bein in die Beinschlinge stecken. Als erstes schiebt man die Handsteigklemme ein wenig am Seil hinauf. Dadurch wird auch zwangsläufig der Fuß in der Fußschlaufe angehoben. Dann versucht man möglichst gleichzeitig drei Dinge zu tun.
  1. Nach unten in die Fußschlaufe zu treten.
  2. Mit der rechten Hand am Seil das aus der Umlenkrolle kommt ziehen.
  3. Sich selbst mit der linken Hand an der Handsteigklemme hochzuziehen.
Dabei dient letzteres viel mehr zur Stabilisierung als zur Fortbewegung. Durch die Seilführung, entsteht zwischen GriGri² und der Umlenkrolle ein Flaschenzug-Effekt und dadurch, daß das GriGri² das Seil nicht mehr zurücklaufen lässt hat man mit dieser Bewegung seinen ersten Schritt nach oben geschafft. 

Als nächstes schiebt man die Handsteigklemme wieder ein Stück höher und wiederholt den Vorgang solange bis man die gewünschte Höhe erreicht hat.

Um dann wieder runterzukommen hängt man als erstes den Karabiner mit der Umlenkrolle aus der Handsteigklemme aus und befreit das Seil aus der Rolle. Dann hängt man die Handsteigklemme aus, nimmt den Fuß aus der Fußschlaufe und hängt alles zusammen mit dem Karabiner der Rolle an den Gurt. Dann zieht man vorsichtig am Hebel des GriGri² und die Talfahrt beginnt.

Wenn es einem zu schnell geht lässt man den Hebel einfach los. Ganz "durchziehen" sollte man den Hebel auf keinen Fall.

Natürlich schlagen jetzt alle zertifizierten Industriekletterer die Hände über den Kopf zusammen. Kein Sicherungsseil, kein Sicherungsgerät, das fehlt und das geht (gar) nicht. Denen sei folgendes gesagt: "Ich sage nicht, daß man so klettern soll. Ich beschreibe lediglich wie es die meisten Geocacher hierzulande machen."

Mir persönlich geht lediglich die Verbindung zwischen HSK und Gurt ab. Die fängt einen nämlich wenn man das GriGri² einmal versehentlich entlastet.

Und die Beschreibung soll auch nicht als Anleitung dienen sondern nur zeigen, daß es gar nicht so schwer sein kann das zu erlernen, wenn ich es 6 Absätzen beschreiben kann.

Wer unabhängig sein will und nicht nur "mitgehen" will, wird auch um folgendes nicht herum kommen.
  • 30-80m statisches Seil 
  • Pilotleine
  • Wurfbeutel
Dabei gilt es zu bedenken, daß man mit werfen - vorallem am Anfang - nicht sehr hoch kommt. Ab einer gewissen Höhe wird die eingesetzte Kraft sehr schnell unkontrollierbar. Eine kostengünstige Variante mit der einige Kollegen recht gute Erfolge gemacht haben ist eine Wasserbombenschleuder.

Alternativen
 
Ja es gibt Leute die einen nackten Stamm umarmen und eine Minute später aus der Baumkrone winken. Wer das schon kann, der kann seine Doserln auch gerne so bergen. Das ist jedenfalls nicht die Gelegenheit das zu lernen.
 
Steigeisen und -dornen sind für Masten oder Bäume die sowieso umgehackt werden sollen. Beim Geocaching haben sie nichts verloren.
 
Es gibt auch andere T5 Caches. Tauchen, schwimmen und einfach erwandern. Man muß nicht unbedingt klettern um die D/T-Matrix voll zu bekommen. 
 
Resumé
 
Je weniger Technik, desto anstrengender - und gefährlicher.
Je mehr Technik, desto verwirrender - zumindest am Anfang.
 
 
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